Zum Hauptinhalt springen

FlexKapG vs. GmbH — Die neue Rechtsform im Vergleich 2026

Seit 2024 gibt es mit der Flexiblen Kapitalgesellschaft (FlexKapG) eine neue Alternative zur klassischen GmbH. Das Mindeststammkapital ist mit 10.000 € bei beiden gleich; die FlexKapG punktet mit flexibler Mitarbeiterbeteiligung und vereinfachter Anteilsübertragung. Hier der komplette Vergleich mit Kosten, Vorteilen und konkreten Gründungsschritten.

Kurzantwort

GmbH und FlexKapG benötigen seit 2024 dasselbe Mindeststammkapital von 10.000 €.Steuerlich sind beide identisch (23% KöSt, 27,5% KESt). Die FlexKapG bietet mehr Flexibilität bei Mitarbeiterbeteiligung durch Unternehmenswert-Anteile(unter 25% des Stammkapitals, ohne Stimmrecht) und Anteilsübertragung per notarieller oder anwaltlicher Privaturkunde statt Notariatsakt. Ideal für Startups, Tech-Unternehmen und Beteiligungsprogramme.

Was ist die FlexKapG?

Die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexKapG) ist seit 1. Jänner 2024 in Österreich verfügbar und wurde durch das FlexKapG-Gesetz (FlexKapGG) eingeführt. Sie stellt einen modernen Hybrid zwischen GmbH und Aktiengesellschaft dar und wurde speziell für die Bedürfnisse wachstumsstarker Unternehmen entwickelt.

Kernmerkmale der FlexKapG

  • Mindestkapital: 10.000 € (wie bei der GmbH, davon 5.000 € bar)
  • Zwei Anteilstypen: Geschäftsanteile + Unternehmenswert-Anteile
  • Flexible Satzung: Mehr Gestaltungsspielraum als bei der GmbH
  • Mitarbeiterbeteiligung: Einfach über Unternehmenswert-Anteile möglich
  • Anteilsübertragung: Notarielle oder anwaltliche Privaturkunde statt Notariatsakt
  • Firmierung: Mit "FlexKapG", "FlexCo" oder ausgeschrieben

Zielgruppe der FlexKapG: Die neue Rechtsform wurde speziell für innovative Unternehmen, Startups und Betriebe mit Mitarbeiterbeteiligung entwickelt. Sie kombiniert die Vorteile einer Kapitalgesellschaft mit der Flexibilität moderner Unternehmensformen.

Detaillierter Vergleich: GmbH vs. FlexKapG

MerkmalGmbHFlexKapG
Stammkapital10.000 € (seit 2024)10.000 € (identisch)
Gründungskostenca. 2.000-3.000 € (Notar + Gebühren)ca. 2.000-3.000 € (vergleichbar)
Mindest-KöSt500 €/Jahr (seit 2024)500 €/Jahr (identisch)
GesellschafteranteileNur GeschäftsanteileGeschäfts- + Unternehmenswert-Anteile
MitarbeiterbeteiligungSchwierig, aufwendigEinfach über Unternehmenswert-Anteile
AnteilsübertragungNotariatsakt erforderlichNotarielle oder anwaltliche Privaturkunde
Firma"GmbH" oder "Gesellschaft m.b.H.""FlexKapG" oder "FlexCo"
Körperschaftsteuer23%23% (identisch)
KESt Ausschüttungen27,5%27,5% (identisch)
RechtssicherheitHohe Rechtssicherheit, etabliertNeue Rechtsform, wenig Rechtsprechung

Steuerlich identisch: Beide Rechtsformen unterliegen denselben steuerlichen Bestimmungen, inklusive Mindeststammkapital (10.000 €) und Mindest-KöSt (500 €/Jahr). Der entscheidende Unterschied liegt in der Flexibilität der Gesellschafterstruktur, nicht in Kapital oder Steuern.

Steuerliche Behandlung — Wo liegen die Unterschiede?

GmbH & FlexKapG — Identisch

  • Körperschaftsteuer: 23% auf Gewinn (§ 22 KStG)
  • KESt auf Ausschüttungen: 27,5% auf Brutto-Dividende
  • Doppelbesteuerungsabkommen: Gleiche Anwendung
  • Verlustverrechnung: Identische Regeln
  • Freibeträge: Gleiche Bestimmungen

Besonderheit: Unternehmenswert-Anteile

  • Steuerliche Behandlung: Wie normale Geschäftsanteile
  • Gewinnausschüttung: 27,5% KESt (identisch)
  • Veräußerungsgewinn: 27,5% unabhängig von der Behaltedauer
  • Mitarbeiterbeteiligung: Steueraufschub nach § 67a EStG möglich
  • Bewertung: Nach Verkehrswert

Wichtig bei Mitarbeiterbeteiligung

Für Unternehmenswert-Anteile an Mitarbeiter greift unter den Voraussetzungen der Start-Up-Mitarbeiterbeteiligung (§ 67a EStG, seit 2024) ein Steueraufschub: Besteuert wird erst bei Veräußerung der Anteile, mit begünstigter Pauschalregelung. Ohne diese Begünstigung ist die Zuteilung als geldwerter Vorteil lohnsteuerpflichtig. Veräußerungsgewinne aus Kapitalvermögen unterliegen generell 27,5%; eine einjährige Spekulationsfrist mit Steuerfreiheit gibt es nicht mehr.

Effektive Gesamtbelastung (identisch bei beiden Rechtsformen)

Unternehmensgewinn100.000 €
– Körperschaftsteuer (23%)−23.000 €
= Gewinn nach KöSt77.000 €
Ausschüttung (100%)77.000 €
– KESt (27,5%)−21.175 €
Gesamtbelastung (KöSt + KESt)44.175 € (44,2%)
Netto beim Gesellschafter55.825 €

Für wen ist die FlexKapG sinnvoll?

Startups & Tech-Unternehmen

  • ESOP-fähige Anteilsklasse (UW-Anteile)
  • Einfache Investor-Beteiligung
  • Mitarbeiter-Equity vereinfacht
  • Flexible Satzungsgestaltung
  • Moderne Unternehmenskultur

Ein-Personen-Unternehmen

  • 10.000 € Stammkapital (wie GmbH)
  • Haftungsbeschränkung
  • Steuervorteile wie GmbH
  • Anteile flexibel übertragbar
  • Satzung flexibel gestaltbar

Wachstumsunternehmen

  • Mitarbeiterbeteiligung fördern
  • Flexiblere Finanzierung
  • Anteilsübertragung vereinfacht
  • Exit-Optionen offen halten
  • Internationale Skalierung

FlexKapG weniger geeignet für:

  • Traditionelle Betriebe — Oft ist die bewährte GmbH die bessere Wahl
  • Risikoscheue Unternehmer — Wenig Rechtsprechung bei Konflikten
  • Bankenabhängige Geschäfte — GmbH hat höhere Reputation bei Banken
  • Internationale Kooperationen — GmbH ist international bekannter

Empfehlung: Die FlexKapG ist ideal, wenn du Innovation, Flexibilität und Mitarbeiterbeteiligung in den Mittelpunkt stellst. Für konservative Geschäftsmodelle oder wenn Rechtssicherheit oberste Priorität hat, bleibt die klassische GmbH oft die bessere Wahl.

Gründungsprozess der FlexKapG — Schritt für Schritt

  1. 1
    Satzung erstellen

    Gesellschaftsvertrag mit Rechtsanwalt oder Notar. Hier wird definiert: Geschäftsanteile, Unternehmenswert-Anteile, Geschäftsführung, Mitarbeiterbeteiligung.

  2. 2
    Stammkapital einzahlen

    Mindestens 10.000 € auf ein Geschäftskonto einzahlen. Der Nachweis (Bankbestätigung) wird für die Firmenbucheintragung benötigt.

  3. 3
    Notarielle Beurkundung

    Gesellschaftsvertrag beim Notar beurkunden lassen. Gesamtkosten für Rechtsanwalt und Notar laut WKO-Schätzung ca. 2.000-3.000 €, je nach Komplexität der Satzung.

  4. 4
    Firmenbucheintragung

    Antrag beim Handelsgericht. Gerichtsgebühren: Richtwert ca. 300-600 €. Die FlexKapG entsteht erst mit der Eintragung ins Firmenbuch.

  5. 5
    Gewerbeanmeldung & Steuern

    Gewerbeanmeldung bei der Bezirkshauptmannschaft. Steuerliche Erfassung beim Finanzamt. UID-Nummer beantragen.

  6. 6
    Sozialversicherung

    Zuordnung wie bei der GmbH: bis 25% Beteiligung ASVG, darüber in der Regel GSVG (SVS). Alleingesellschafter-Geschäftsführer bleiben SVS-versichert.

Gründungsdauer & Kosten

Zeitaufwand:

  • Satzungserstellung: 1-2 Wochen
  • Notartermin: 1 Tag
  • Firmenbucheintragung: 1-3 Wochen
  • Gesamt: ca. 4-6 Wochen

Gesamtkosten:

  • Stammkapital: 10.000 € (davon 5.000 € bar)
  • Notar + Anwalt: ca. 2.000-3.000 €
  • Gerichtsgebühren: ca. 300-600 €
  • Gesamt: ca. 12.300-13.600 €

Vorteile und Nachteile im Überblick

Vorteile der FlexKapG

  • Start-Up-Mitarbeiterbeteiligung: Steueraufschub nach § 67a EStG nutzbar
  • Mitarbeiterbeteiligung: Unternehmenswert-Anteile (unter 25% des Stammkapitals)
  • Flexible Anteilsübertragung: Vereinfachte Prozesse
  • Moderne Satzungsgestaltung: Mehr Freiheiten
  • Anteilsübertragung: Notarielle oder anwaltliche Privaturkunde statt Notariatsakt
  • Investor-freundlich: Einfachere Kapitalerhöhungen
  • Steuerlich identisch: Alle GmbH-Vorteile
  • Innovatives Image: Moderne Unternehmensform

Nachteile der FlexKapG

  • Neue Rechtsform: Wenig Rechtsprechung und Erfahrung
  • Unbekannt bei Banken: Möglicherweise schwierigere Kreditvergabe
  • Internationale Akzeptanz: GmbH ist bekannter
  • Beratung teurer: Wenige spezialisierte Anwälte
  • Komplexere Satzung: Mehr Gestaltungsoptionen = mehr Fehlerquellen
  • Kein Kapitalvorteil: Mindeststammkapital wie bei der GmbH 10.000 €
  • Noch keine Standards: Jede Satzung ist Einzelfall
  • Risiko bei Gesetzesänderung: Neue Gesetze können sich ändern

Berechnungsbeispiel: 5-Jahres-Kostenvergleich

Hier ein konkretes Beispiel für ein Tech-Startup mit 100.000 € Jahresgewinn über 5 Jahre, inklusive aller Gründungs- und laufenden Kosten. Ergebnis: Seit der GmbH-Reform 2024 sind beide Rechtsformen bei Kapital und Kosten praktisch gleichauf.

KostenpositionGmbH (5 Jahre)FlexKapG (5 Jahre)Ersparnis FlexKapG
Stammkapital (gebunden, kein Aufwand)10.000 €10.000 €±0 €
Gründungskosten2.500 €2.500 €±0 €
Bilanzierung (5 Jahre)25.000 €25.000 €±0 €
KöSt (100k Gewinn, 5 Jahre)115.000 €115.000 €±0 €
KESt (Ausschüttungen, 5 Jahre)105.875 €105.875 €±0 €
Laufende Kosten (5 Jahre)15.000 €15.000 €±0 €
Kapitaleinsatz gesamt (5 Jahre)273.375 €273.375 €±0 €
Verfügbares Kapital226.625 €226.625 €±0 €

Zusätzliche FlexKapG-Vorteile

  • Mitarbeiterbindung: Equity-Programme ohne Notariatsakt-Aufwand
  • Flexibilität: Mitarbeiterbeteiligung ohne Zusatzkosten
  • Wachstum: Einfachere Kapitalerhöhungen
  • Exit: Verkauf der Anteile vereinfacht

Kosten-Fazit

Kapitalersparnis FlexKapG0 € (identisches Mindestkapital)
Laufender Kostenvorteil±0 €
Vorteil über 5 JahreQualitativ: Beteiligung + Übertragbarkeit

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Hauptunterschied zwischen FlexKapG und GmbH?

GmbH und FlexKapG benötigen seit 2024 dasselbe Mindeststammkapital von 10.000 €. Steuerlich sind beide identisch (23% KöSt, 27,5% KESt). Die FlexKapG bietet mehr Flexibilität bei Mitarbeiterbeteiligung durch Unternehmenswert-Anteile und Anteilsübertragung per notarieller oder anwaltlicher Privaturkunde statt Notariatsakt.

Sind FlexKapG-Gründungskosten niedriger als bei der GmbH?

Kaum. Für beide gilt seit 2024 das Mindeststammkapital von 10.000 €; Beratungs- und Notarkosten liegen laut WKO-Schätzung bei ca. 2.000-3.000 €. Wegen der flexibleren Satzungsgestaltung kann die FlexKapG im Einzelfall sogar etwas teurer sein.

Ist die FlexKapG für Startups besser als die GmbH?

Ja, besonders für Startups mit Mitarbeiterbeteiligung. Die FlexKapG ermöglicht Unternehmenswert-Anteile und den Steueraufschub der Start-Up-Mitarbeiterbeteiligung (§ 67a EStG) bei identischen Steuervorteilen. Ideal für Tech-Unternehmen und wachstumsorientierte Betriebe.

Kann ich von einer GmbH zur FlexKapG wechseln?

Ja. Das Gesetz sieht die Umwandlung einer GmbH in eine FlexKapG (und umgekehrt) ausdrücklich vor. Erforderlich sind ein Generalversammlungsbeschluss und die Anpassung des Gesellschaftsvertrags; eine Liquidation oder Verschmelzung ist nicht nötig. Lass die Umwandlung rechtlich begleiten.

Berechne deine optimale Rechtsform

Nutze unseren kostenlosen Rechner für eine individuelle Analyse deiner Steueroptimierung.

Zum Steuer-Rechner

Fazit: FlexKapG oder GmbH?

  • FlexKapG für Startups & Tech: Einfache Mitarbeiterbeteiligung über Unternehmenswert-Anteile, Stammkapital wie GmbH
  • Steuerlich identisch: 23% KöSt, 27,5% KESt — keine steuerlichen Nachteile
  • GmbH für Traditionsbetriebe: Bewährt, rechtssicher, international anerkannt
  • FlexKapG-Risiko: Neue Rechtsform mit wenig Rechtsprechung
  • Empfehlung: FlexKapG ideal für innovative, wachstumsstarke Unternehmen
  • Alternative: Bei Rechtssicherheit-Fokus bleibt GmbH die sichere Wahl

Die FlexKapG ist eine echte Innovation im österreichischen Gesellschaftsrecht. Für die richtige Zielgruppe bietet sie mehr Flexibilität bei identischen Steuer- und Kapitalkonditionen. Lass dich von einem spezialisierten Anwalt beraten, bevor du dich entscheidest.

Fachlich geprüfter Inhalt

Dieser Artikel basiert auf den aktuellen österreichischen Steuergesetzen (EStG, GSVG, KStG) und wird regelmäßig auf Aktualität geprüft. Alle Berechnungen und Angaben entsprechen dem Rechtsstand 2026. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Steuerberatung.

Letzte Aktualisierung: 2026-03-18

Quellen und weiterführende Informationen

Verwandte Artikel